Schweigers EGO

Til Schweiger baut Flüchtlingsheim und streichelt damit sein Ego
von Peter Harth via Kopp Verlag

Was für eine Show mit Flüchtlingen.
Erst brüllte Schweiger auf Facebook seine Fans nieder – weil die gegen seine Asyl-Romantik waren. Danach ätzte der Fernsehstar in der Tagesschau über die rassistischen Deutschen. 
Jetzt krönt Schweiger den PR-Stunt. 
Er baut ein Flüchtlingsheim. 
Betrieben wird es wie ein gewinnorientiertes Unternehmen. 
Medien-Narzissmus soll schließlich nicht wehtun, sondern sich lohnen: 
Mit Flüchtlingen lässt sich Geld machen.



Hinter der Fassade des selbstlosen Stars

600 handverlesene, traumatisierte aber bestimmt bald überglückliche Flüchtlinge dürfen sich in der alten Rommel-Kaserne in Osterode am Harz auf viel Platz freuen.
»Freizeitangebote, Werkstätten, eine Näherei und eine Sportanlage« sind geplant. 
Die Realität in den allermeisten deutschen Kommunen ist eine andere. 
Die Flüchtlinge werden am Reißbrett verteilt – Schnellabfertigung ungeachtet der tatsächlichen Kapazitäten.

Doch auch die Bild-Story über Tils verträumtes Flüchtlingsheim ist offenbar nicht so ganz real. Hinter der Fassade agiert der Star nicht ganz so selbstlos. 
Er behauptet, dass die Verträge über das Flüchtlingsheim bereits am vergangenen Donnerstag unterschrieben wurden. 
Doch davon weiß das niedersächsische Innenministerium noch gar nichts. 
Ein Sprecher gab sich überrascht:
»Das ist noch nicht eingetütet. Wir freuen uns, dass sich auch Herr Schweiger dort engagieren möchte.«

Schweiger, eine dubiose Firma und eine Söldner-Agentur

Schweiger gibt selbst an, die Kaserne Anfang 2014 mit Freunden gekauft zu haben. 
Mit dem Ziel, daraus ein Flüchtlingsheim zu machen. 
Ob und was der TV-Star mit dem Kauf zu tun hat, dahinter stehen viele Fragezeichen. 
Das ganze Areal gehörte der insolventen Phalanx Investment GmbH. 
Der Gesellschafter aus den Vereinigten Arabischen Emiraten hatte Großes versprochen
Hotels, eine Brauerei, ein eigenes Kraftwerk und sogar ein Schaubauernhof. 
Am Ende wurden die Kasernengebäude ausgeschlachtet und zu schnellem Geld gemacht. 
Der Gesellschafter setzte sich nach Saudi-Arabien ab, Phalanx ging in die Pleite.

Im März 2014 kaufte das Unternehmen Princess of Finkenwerder die ausgeschlachtete Rommel-Kaserne. 
Dubios ist daran nicht nur der Name. 
Geschäftsführer Wolfgang Koch präsentierte sich damals stolz vor der Kamera mit Jan Karras aus Hamburg. 
Brisant: 
Geschäftspartner Karras ist auch Berater von Greenzone Consulting – eine Söldner-Agentur, die in den Kriegsgebieten dieser Welt aktiv ist. 
Laut Eigenwerbung kann Greenzone Consulting »bis zu ca. 600 internationale Einsatzkräfte« bereitstellen. 
Allesamt »erfahrene ehemalige Militärangehörige«.

Mit Flüchtlingen lässt sich Geld machen

Sind das die Freunde von Til Schweiger? Eine Söldner-Agentur und die Firma Princess of Finkenwerder, die sich einmal als »Spezialist für Kasernen und Konversionsflächen« anpreist, ein anderes Mal aber Akten einlagert und IT-Serverfarmen betreibt. 
Was auf jeden Fall über diese dubiose Firma bekannt ist: 
Sie hat noch nie ein Flüchtlingsheim geführt und besitzt auch nicht die dafür notwendige Fachkenntnis.

Beim Kauf täuschte Geschäftsführer Wolfgang Koch die Bürger Osterodes über seine wahren Absichten – er verschwieg, dass die Kaserne zu einem Flüchtlingsheim umgebaut werden soll. 
Die Bürgerinitiative »Für Osterode« äußerte »erhebliche Bedenken zur Betreiberauswahl für die Erstaufnahmestelle«.

Der Zorn der kleinen Stadt richtet sich auch gegen das niedersächsische Innenministerium. 
Das legte bereits im März 2015 einfach fest: Die Rommel-Kaserne wird zum fünften Erstaufnahme-Lager im Bundesland – und Princess of Finkenwerder darf der Betreiber sein. 
Das ist einmalig. 
Ausgerechnet ein unqualifiziertes, gewinnorientiertes Privatunternehmen – das auch noch mit einer Söldner-Agentur in Verbindung steht – übernimmt eine staatliche Aufgabe. 
Diese Gemengelage und auch Schweigers Beteiligung daran sind dubios.

Der Medien-Star setzt sich öffentlich dafür ein, dass immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Gleichzeitig baut der Geschäftsmann Schweiger offenbar bald ein privates Flüchtlingsheim – das Steuergelder kassiert und schon längst als Erstaufnahmelager feststeht. 
Für ihn besteht hier wohl kein Gewissenskonflikt. 
Die deutsche Öffentlichkeit mag darüber anders denken. 
Immerhin missbraucht der Schauspieler und Regisseur die Flüchtlinge nicht nur für seine Image-Kampagne, er hat auch erkannt: Mit Flüchtlingen lässt sich Geld machen.

Der PR-Stunt:
Schauspieler rettet die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung

Dahinter steckt nicht der Trotz eines in seiner Eitelkeit gekränkten Stars – es ist ein genialer PR-Stunt. 
Schweiger produziert Erfolgsfilme. 
Seine Nase für die Stimmung im Land machte ihn zum Mächtigsten in der TV-Branche.

Er weiß, wie sehr die Flüchtlingskrise das Land spaltet. 
Wie verzweifelt Mainstream-Medien und das politische Establishment die Werbetrommel für Flüchtlinge rühren, die Deutschen bearbeiten – und damit nichts erreichen.

Die Stimmung im Land kippt. Nicht einmal jeder vierte Deutsche steht noch hinter dem Plan der Bundesregierung, die immer mehr Flüchtlinge aufnehmen will. 
In fünf Jahren hat sich die Zahl der Asylbewerber fast verzehnfacht, abgeladen werden sie aber bei den überforderten Kommunen.

Endlich Anerkennung: Eine neue Rolle für Til Schweiger

Ein geschickter TV-Star, der jetzt die grenzenlose Liebe zu Flüchtlingen heraufbeschwört, katapultiert sich nicht nur in ein gesellschaftliches Top-Thema, er rennt auch offene Türen bei der politischen Elite Deutschlands ein.

Der TV-Star Til Schweiger erschafft für sich selbst eine neue Rolle. 
Aber warum tut er das? 
Im Bild-Interview verrät Schweiger den Grund. 
Die Erfolgsmaschine sehnt sich nach Anerkennung.
»Ich habe früher immer mit meiner Rolle als Schauspieler gehadert: 
Ich mache ja nur Faxen vor der Kamera und kriege dafür auch noch Geld.«

Schweiger will nicht nur ein Großer an der Kasse sein, sondern bei den ganz Großen mitspielen. 
Die sehen in ihm bisher nur eine Art Rattenfänger, einen Messias des billigen Massengeschmacks. Der Filme produziert, die erfolgreich aber belanglos sind. Kaum spannt sich Schweiger PR-tauglich vor den Flüchtlingskarren der Bundesregierung, befördern die Mainstream-Medien den Macher von Honig im Kopf zur moralischen Instanz des Landes.

Deutschlands neuester Philosoph darf in der Tagesschau der ARD vor einem Millionenpublikum die Verblödung des Volkes diagnostizieren und behauptet schamlos, dass es immer »mehr Menschen mit sehr rechtem Gedankengut« gibt.

Mit Hollywood-Kitsch gegen »den Hass« und »die Dummheit«

Schweiger erhält für seine Hetze den Segen von ganz oben. 
Dort trägt man aber die Schuld daran, dass der unkontrollierte Flüchtlingsstrom zu einer organisatorischen Krise ausufert. 
Das will die Bundespolitik aber nicht zugeben – lieber erteilt sie dem Sturmgeschütz Schweiger Feuererlaubnis.

Der macht, was er gut kann: 
Alles zusammenschießen, bis nur noch simple Emotionen übrig sind. Schwarz oder weiß. Für oder gegen Flüchtlinge. Dafür sind die Tapferen, die Guten, die sich der besonderen moralischen Verantwortung Deutschlands auch in diesem Fall wieder bewusst sind. Schweiger ruft auf zur Schlacht gegen »den Hass« und »die Dummheit«.

Damit produziert er am Ende wieder nur hollywoodreifen Kitsch und verschweigt die hässlichen Seiten, die Flüchtlinge mit sich bringen: 
Importierte Gewalt aus ihren Heimatländern. 
Wer Menschen importiert, kann ihre Probleme nicht aussperren. Den Lohn für seinen PR-Stunt hat Schweiger bereits bekommen. Er darf sich endlich ernst genommen fühlen. Beweise gefällig? Vizekanzler Sigmar Gabriel schenkte Schweiger ein halbstündiges Telefonat.