Polizeikontrollen



Der bayerische Flüchtlingsrat empfiehlt der Staatsregierung ein neues Rezept zur Reduzierung der hohen Flüchtlingszahlen: weniger Polizeikontrollen. Viele Flüchtlinge hätten bereits Verwandte in Europa und wollten dorthin weiterreisen, sagte Sprecher Alexander Thal. "Die Leute wollen gar nicht alle in Passau, Rosenheim oder München bleiben." Die Staatsregierung verschärfe die Probleme selbst. Bundespolizei und bayerische Landespolizei kontrollierten die Grenzen umfassend und beendeten so die Flucht vorzeitig.

Terminlich passend zur Kritik des Flüchtlingsrats legte die Bundespolizeiinspektion Rosenheim ihre neuen Zahlen vor: Demnach stoppten die Beamten von Januar bis Juni 11.000 Menschen nach der Einreise. Gestern holten die Bundespolizisten 109 Männer, Frauen und Kinder aus Eritrea, Äthiopien, dem Sudan und Somalia aus einem Regionalzug. Im Großraum Passau liegt die Flüchtlingszahl im ersten Halbjahr 2015 mit rund 14.500 sogar noch höher. "Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum waren es rund 1000, 2013 reisten 600 Flüchtlinge ein", sagt Frank Koller von der Bundespolizeiinspektion Freyung. Und die Zahlen steigen rapide. Wurden im Mai rund 3000 Flüchtlinge aufgegriffen, waren es im Juni schon 6700. Am Jahresende könnten es nach Kollers Prognose 60.000 sein.

Nach Einschätzung des Flüchtlingsrats verschärft die Polizei mit ihren Kontrollen vor allem Probleme bei der Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge. Denn anders als Erwachsene werden Kinder und Jugendliche bisher nicht nach einem deutschlandweiten Schlüssel gleichmäßig auf alle Bundesländer verteilt. "So viele Unterkunftsplätze in der Jugendhilfe können Sie innerhalb eines Jahres gar nicht schaffen", sagte Thal. Es sei sinnvoller, die Flüchtlinge dorthin reisen zu lassen, wo sie Verwandte hätten.

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